Baugeschichte - Heiligenkirchen

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Baugeschichte

Baugeschichte

Der von Alexander Meyer 1696 errichtete Fachwerkbau wurde als repräsentativer traufständiger Baukörper vor das ältere giebelständige Haus des Pastors Winand gesetzt, das vermutlich den Bauernhäusern der Zeit als Fachwerkbau mit Mitteldiele entsprach. Es wurde um 1850 durch einen massiven Bruchsteinbau ersetzt, bei dem einige Sparren des Vorgängerbaus im Dachwerk wiederverwendet wurden.7) Dieser Vorgängerbau, der auf etwa gleicher Grundfläche gestanden hat läßt sich anhand eines Lageplans von 1772 nachweisen. Der Plan zeigt das gesamte damalige Anwesen mit Haupthaus, Nebengebäuden und Gärten. Es wird dazu vermerkt : ,,Der Hof ist mit einer Mauer umgeben. Darauf befinden sich an Gebäuden 1. Das Wohnhauß, 2. die Scheune, 3. ein Schweinestall, 4. ein alt Hauß oder Backhaus hinten in der Ecke am Garten, welches ein Überbleibsel von des vormahligen Cleben Hofe ist.“ Von der älteren Bausubstanz des Hofes ist nur der träufständige Fachwerkbau erhalten, der über eine Tiefe von vier Fachen verfügt. Das zweistöckig abgezimmerte Gebäude wird traufseitig durch ein breites mittleres Dielentor erschlossen. Das etwas niedrigere Obergeschoss kragt über profilierte Balkenköpfe vor. Die Außenwände sind doppelt verriegelt und mit Fußstreben ausgesteift, die in unregelmäßiger Anordnung gesetzt sind. Der Bau schließt mit einem Vollwalmdach ab und ist mit dem quer dazu verlaufenden Dachwerk des rückwärtigen Hausteils verbunden.

Die ehemalige Querdiele, die im Zuge der baulichen Veränderungen nach 1945 aufgegeben wurde, erschloss rechts und links jeweils einen unterkellerten Raum. Diese Raumanordnung zeigt ein Längsschnitt durch das Gebäude, der 1939 angefertigt wurde.9) Das Obergeschoss war in zwei Räume aufgeteilt, die etwa im Verhältnis 2 : 3 bemessen waren. In dem größeren Raum wird in dem Längsschnitt von 1939 eine Kaminanlage dargestellt, die vom Westfälischen Amt für Denkmalpflege 1937 fotografiert wurde. Das Foto zeigt einen reich profilierten offenen Kamin aus Sandstein, der möglicherweise noch aus der Bauzeit des Hauses stammte. Links neben dem Kamin ist eine wohl auch bauzeitliche Zimmertür mit schneckenförmigen Hespen zu erkennen. Vermutlich handelt es sich bei dem Raum im Obergeschoss um einen kaminbeheizten Saal, der bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts als Gastraum der Krugwirtscha
ft diente. Eine zweite Fotografie, die ebenfalls 1937 beim Westfälischen Amt für Denkmalpflege entstand, stellt die Außenansicht des Hauses dar, das damals noch im Obergeschoss mit den feingliedrigen Sprossenfenstern des 18. Jahrhunderts ausgestattet war.

Während der jüngst erfolgten Sanierungsarbeiten wurden in dem Raum links der ehemaligen Diele farbige Wandfassungen freigelegt, die wahrscheinlich aus der Bauzeit des Hauses stammen und für den ländlichen Bereich einen seltenen Befund darstellen. Sie sind im oberen Bereich der Wände auf etwa 25 cm erhalten und laufen rechtwinklig um die lehmverputzten Deckenbalken. Die ebenfalls lehmverputzten und weiß gekälkten Wände sind zur Decke mit dreifach gezogenen Begleiterlinien abgesetzt, von denen zwei als schmale Pinselstriche und einer als kräftiges rotes Band aufgemalt sind. Auf die weiße Kalkfläche unterhalb der Begleiterlinien sind dunkle Farbtupfer aufgetragen. Diese Farbfassungen stellen vermutlich nur die Reste eines auch nach unten farbig gestalteten Wandschmucks dar. Sie dokumentieren den repräsentativen, die ortsübliche Bauweise übertreffenden Charakter des Gebäudes und den Reichtum des Erbauers Alexander Meyer.

7) Vgl. Grossmann, G. Ulrich: Detmold. Führer durch Stadt, Schloss und Umgebung. Marburg 1981,5.100,101.

8) Staatsarchiv Detmold, wie Anm. 4.

9) Staatsarchiv Detmold, D 73, Kartensammlung, Tit. 4 Nr.10847.

Dr.  Michael Sprenger


HausZeichnung_1
HausZeichnung_2
Lageplan_des_Hofes_1772

 
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