Geschichte des Hauses - Heiligenkirchen

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Geschichte des Hauses

Besitzer- und Nutzergeschichte

Der heute vom Heimat- und Verkehrsverein Heiligenkirchen genutzte Fachwerkbau Am Krugplatz 5 wurde nach der auf dem Dielentor erhaltenen Inschrift 1696 von Alexander Meyer und dessen Ehefrau Katharina Barkhausen errichtet.1) Meyer der Amtsvogt der Vogtei Falkenberg und zugleich Mundkoch des lippischen Grafen war, erhielt 1681 das Krugprivileg in Heiligenkirchen.2) Er richtete seine Krugwirtschaft in dem von Steuern befreiten Haus des Pastors Winand ein, der seine Pfarre verlassen und ihm sein Haus aus wirtschaftlicher Not verkauft hatte. Trotz der Konkurrenz durch einen älteren am Ort ansässigen Krug, den so genannten „Caspar-“ oder „Gröpperkrug“ gelang es Meyer in seiner Funktion als Amtsvogt in Verbindung mit dem vorteilhaften Krugprivileg in den folgenden Jahrzehnten seinen Besitz erheblich zu vermehren. So entstand 1689 neben dem Winandschen Haus ein Fachwerkbau als Wirtschaftsgebäude zum Brauen und Brennen 3), und 1696 ließ Meyer vor das Winandsche Haus den erhaltenen zweistöckigen Fachwerkbau setzen, der vermutlich in dem unteren Stockwerk Amtsräume und oben einen Saal als Krugwirtschaft aufnahm. 1716 wurde der alte Gröpperkrug an Meyers Schwager Schönlau verkauft und durch einen Neubau ersetzt, in dem Schönlaus Frau die Wirtschaft führte. Die Aufzeichnungen des Archivrates Knoch, der 1770 über rückständige Steuerlasten des Meyerschen Besitzes einen Bericht verfasste, enthalten dazu folgende Bemerkungen: „Da doch die Conductorin Schoenlau .... Anno 1716 letztern erkauft und auf diesen platz das heutige Krughaus erbauet, wie noch die Inscription über der Haußthür, und dieser Unterschied in dem revidierten catastro de Anno 1721 deutlich bemerket ist, wo der Casper Krug das neune Schönlauesche Hauß mit  dem Vorplatz, worauf Linnen- und Eichenbäume, wo wie noch, gestanden“.)

Bei dem hier erwähnten „neuen Schoenlauischen Hauß“ dürfte es sich wahrscheinlich um das heutige Nachbarhaus, Am Krugplatz 3, handeln, das als giebelständiger Fachwerkbau mit einem kleinen Vorgarten stark verblasste Inschrift auf der straßenseitigen Giebelschwelle zeigt. 5)

Die Vereinigung beider Krugprivilegien auf das Meyersche Anwesen führte in der Folgezeit dazu, dass die Krugwirtschaft in das neu errichtete Gebäude verlegt und das alte Winandsche Haus mit dem 1696 erweiterten Vorbau nicht mehr als  Krügerei genutzt wurde.

,, ... die Gebäude bestehend  1) In einem Wohnhause 2) die Scheune 3) das Backhaus sind wie alle Privat-Gebäude, welche von den Eigenthümern nicht bewohnet werden, ziemlich verfallen und haben eine Reparation nöthig. In dem rechten Wohnhause ist zwar eine Gelegenheit zu Brau- und Brennerey mit einer Pumpe angebracht, die kann aber nicht anders, als von dem Bewohner des Hauses genutzet, also besonders nicht in Anschlag gebracht werden; Sonst ist in der Scheune die bey einer solchen Brennerey nöthige Stallung angelegt, jedoch das vorhin dagewesene Schweine-Haus eingefallen ...“ 6)

Die Krugwirtschaft war demnach hier schon länger nicht betrieben worden, so dass der Hof mit seinen Nebengebäuden einem fortschreitenden Verfall ausgesetzt war. Dagegen war    “der außer dem Hofe gelegene Krug ... in guten Stande, und dabei ein mit 5 Obst-Bäumen besetzter Garten ... der Pächter dieses Krugs Frantz Henrich Hilcker, entrichtet geständiger maaßen für den Krug, mit dem Garten, und für den Gebrauch
einer Branntweinsblase 40 Reichsthaler und dauert der Contract, von verwichenen Ostern an, noch 6 Jahre.“

1784 verkaufte die Witwe Schenk den Besitz an den Leinengroßhändler Tölke aus Oerlinghausen, der den Krug ebenfalls verpachtete. Über die Nutzung der übrigen Gebäude liegen keine näheren Hinweise vor. Mit dem Verkauf an den Kaufmann Wend 1802 scheint sich die wirtschaftliche Lage des Anwesens allerdings gebessert zu haben. So betrieb Wend u.a. den Ausschank von Kaffee, der nach einem Gesetz von 1765 nur von privilegierten Personen getrunken werden durfte. Offenbar führte diese gesetzliche Verordnung zur Wiederbelebung der Wirtschaft auf Wends Hof, der hier die Honoratioren mit den edleren Getränken Wein, Tee und Kaffee bewirtete, während im Gröpperkrug Bier und Branntwein verkauft wurde. Das allgemeine Verbot des Kaffeetrinkens wurde zunehmend unterlaufen und 1814 von Fürstin Pauline endgültig aufgehoben.

Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde der Gröpperkrug aufgegeben und das Gebäude 1843 von Wend verkauft. Um 1860 verlegte man die Wirtschaft von Wends Hof in den neu erbauten Falkenberger Hof. Nach jahrelanger Vernachlässigung der Gebäude und drohendem Verfall kaufte die Gemeinde Heiligenkirchen den Hof nach 1945 von den Nachkommen Wends und richtete in dem 1696 erbauten Fachwerkhaus das Rathaus als Sitz der Gemeindeverwaltung ein.

1) Das Anwesen ist auch unter der Bezeichnung Wends Hof Nr. 49 bekannt.

2) Zur Geschichte des Hofes vgl. Wendt, Hermann: Das ehemalige Amt Falkenberg. Lemgo 1965, S. 253

3) Das Gebäude wurde 1946 abgebrochen. Eine kurz vor dem Abriss entstandene Fotografie befindet sich in der Bildsammlung des Staatsarchivs Detmold.

4) Staatsarchiv Detmold, L92, T 1 Tit. 16, Nr. 1

5) Bei dem Gebäude handelt es sich vermutlich um einen Vierständerbau mit Mitteldiele, wobei auffällt, dass anstelle eines breiten Dielentores in der Giebelfassade eine schmale Haustü
r angeordnet ist.

6) Staatsarchiv Detmold. wie Anm. 4.

Dr.  Michael Sprenger

 
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